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W E T T E R -

K A T A S T R O P H E N

besonders über

Deutschland

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(Prognosen von Sommer und Winter ; Analysen etc. auch unter : " Klima Nord-Deutschland ")

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Kyrill - ein Jahrhundertorkan

(Dr. Tiesel, 22. Jan. 2007)

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Millardenschäden verursachte der schwere Orkan KYRILL, als er am 18. Januar 2007 über Mitteleuropa hinweg fegte. KYRILL hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Mitteleuropas, extreme Schäden angerichtet und viele Menschen getötet.

Damit muß man ihn wohl zu den schwersten Orkanen der letzten 100 Jahre in Mitteleuropa zählen.

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Abb. 1 : Orkan KYRILL , mit Kern über der mittleren Nordsee, am 18. Januar 2007, 13 Uhr

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Abb 2 : Orkan KYRILL , mit Kern über dem südlichen Baltikum , am 19.Januar 2007, 01 Uhr

 

Die Katastrophe die Kyrill angerichtet hat, wäre für Deutschland und Mitteleuropa noch bedeutend stärker geworden, wenn der Orkan nicht so schnell nach Osten gezogen wäre (Abb.1 und Abb.2).

So stellte sich u.a. auch die für die Nordseeküste vorhergesagte schwere Sturmflut (etwa 3.50 m) nicht ein, weil das enorme Windfeld aus West bis Nordwest sich sehr schnell nach Osten verlagerte.

Wäre der Orkan langsamer in Richtung Ostsee gezogen, hätte der abnorme Druck des Orkanfeldes auf die einlaufende Wassermassen der Flut gedrückt und wohl zu einer derartige Jahrhundert-Sturmflut geführt, wie sie vorhergesagt wurde.

Günstig für die deutsche Ostseeküste wirkte sich auch aus, dass der Kern des Orkans relativ nahe der Küstenlinie über die Ostsee nach Osten zog.

Im Zentrum und in unmittelbarer Kernnähe herrscht bei derartig schweren Orkanen - bedingt durch die enorme periphäre Rotationskraft und durch dynamisches Absinken der Luft - oft windärmeres Wetter.

Ähnlich den tropischen Wirbelstürmen, wie dem Auge des Hurrikans.

Diese schwächere Sturmfeld südlich des Kerns von Kyrill hatte u.a. zur Folge, dass es besonders an der Ostseeküste und seinem Hinterland nur zu geringen Sturmschäden - zum Beispiel an Bäumen - kam.

Der Grund für die sehr schnelle Verlagerung von Kyrill nach Osten lag in der außergewöhnlich starken Ausprägung des westlichen Höhenorkanfeldes, dass das stärkste auf der gesamten Nordhalbkugel war (Abb3).

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 Abb. 3 : Extrem starkes Orkanwindfeld in etwa 5 km Höhe - am 18. Janaur 2007, 13 Uhr

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Der Grund für die sehr schnelle Verlagerung von Kyrill nach Osten lag in der außerordentlich starken Ausprägung des westlichen Höhenorkanfeldes (Abb.3), dass besonders auf seiner kalten Nordseite bis zum Erdboden durchdrückte.

Eingebettet in diesem extrem starken westlichen Orkangebiet des Jetstrem über Mitteleuropa in etwa fünf Kilometer Höhe (Abb. 2) verlagerte sich Kyrill sehr schnell nach Osten.

Entsprechend schwächte sich der Orkan bis zum Baltikum nur wenig ab - auch wegen der geringen Reibung über der Ostsee und weil noch Energie durch Wärmeströme vom relativ warmen Ostseewasser in ihn eingespeist wurde. Die Folge war, dass Kyrill auch im östliche Mitteleuropa noch schwerste Schäden anrichtetet.

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Abb. 4 : Schweres Orkanfeld über Mitteleuropa- 18.Januar 2007 , 13 Uhr -

   

Eine Hauptursache, dass Kyrill ganze Nadelholzwälder und sehr viele blattlose Laubbäume in Deutschland entwurzelt und abgebrochen hat, lag neben den schweren Orkanböen auch an dem stark aufgeweichten Erdboden.

Bevor die Orkanböen von Kyrill übergriffen, zog auf seiner Vorder- und Südseite ein umfangreiches und sehr starkes Regengebiet über ganz Deutschland hinweg und weichte den Boden extrem auf.

Der Boden war bereits seit dem total verregneten August 2006, an der Küste war er mit rund 190 Liter/Quadratmetern der regenreichste Monat seit wenigstens 1947, aufgeweicht und durch weitere Regenfälle nicht abgetrocknet.

Auch wirkte sich die abnorme Wärme der Luftmasse (die Monate September bis Dezember waren die wärmsten seit dem Krieg) negativ auf die Bodenfestigkeit aus.

Vorbereitet hat diese Katastrophe von Kyrill noch zusätzlich die vorangegangene Sturm- und Orkanlage vom 11. bis 14.Januar und insbesondere die Orkanböen am 12. Januar haben dazu beigetragen die Festigkeit der Baumwurzeln weiter zu lockern.

Durch die Starkregenfälle von Kyrill wurden viele Koniferenbäume auch kopflastig, so dass die Orkanfelder ganze Wälder, besonders in den Höhen- und Kammlagen der Mittelgebirge, total vernichteten.

Auch hat Kyrill viele noch total gesunde und sehr alte Bäume - manche über 150 Jahre alt - entwurzelt und umgebrochen. Also Bäume, die bereits bedeutend stärkere Orkanböen überstanden hatten.

 

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'LOTHAR '

raste mit

Hurrikanstärke

über Südwestdeutschland

- und verschonte Norddeutschland

(Dr. Reiner Tiesel , 25. Jan. 2000)

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'Hurrikan' LOTHAR

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Mit Böen auf dem Feldberg/Schwarzwald bis 215 km/h , das entspricht Windstärke 17 auf der erweiterten Beaufort-Skala, erreichte der schwere Orkan 'Lothar' am 26. Dezember 1999 Böen, die sonst fast nur in Hurrikanen auftreten. Auf der 5-teiligen Hurricane-scale der USA entsprechen Kerndruck und Böen von 'Lothar' einem Hurrikan der Stufe 3 bis 4.

Die Meteorologen sind sich nach diesem Jahrhundert-Orkan über Süddeutschland einig, daß einige Kapitel der synoptischen (Wettervorhersage-)Meteorologie über Orkane in Deutschland neu geschrieben werden müssen - unter anderem auch wegen des vorher noch nie beobachteten extrem hohen Luftdruckfalls und Luftdruckanstiegs bis 8 hPa/Stunde.

Bei 'Lothar' versagten auch die Wettervorhersage-Modelle - so wurde er von einigen zunächst als schwerer Sturm für Norddeutschland angekündigt. Auch die Experten wissen heute noch nicht, weshalb sich dieser Orkan explosionsartig in einen 'mitteleuropäischen Hurrikan' verwandelte. Ein Grund könnte sein, daß er im Initialstadium eines Orkantiefs, als sehr kräftige Tiefdruck-Welle mit einem außergewöhnlich großen und energiereichen Warmsektor und damit extrem hohem Luftdruckfall , die Küste Westeuropas erreichte.

Umgesetzt in Rotationsenergie war das Kraftpotential von 'Lothar' offensichtlich so extrem hoch, daß er sich bei seinem sehr raschen Übergreifen in den Frühstunden des 26. Dezember auf Frankreich/Paris nicht abschwächte, sondern erst voll entwickelte.

So erreichte 'Lothar' seinen Höhepunkt am 26. Dezember 1999, gegen 11 bis 12 Uhr , als er mit einem Kerndruck im 'Auge' von rund 960 hPa - und zunächst auch als eine Art 'Schnell-Läufer' mit 80 bis 100 km/h - sehr rasch von Frankreich über Frankfurt/Main und längs des Mains hinweg nach Osten, in Richtung Dresden zog.

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Auf seiner Süd- und Südwestflanke hatte er zu diesem Zeitpunkt sein stärkstes geschlossenes Orkanböen-Feld ausgebildet und das fegte mit enormer Wucht über Baden-Württemberg und später - bereits etwas abgeschwächt - über Bayern hinweg. Auf seiner weiteren Verlagerung entlang des Mains in Richtung Dresden verlor 'Lothar' dann merklich an Energie und Geschwindigkeit, vor allem durch die enorme Reibung an den deutschen Mittelgebirgen.

In die Geschichte wird 'Lothar' eingehen, weil er mindestens 50 Todesopfer forderte und Milliardenschaden verursachte - vorwiegend durch die Vernichtung riesiger Baumbestände, besonders der Koniferenwälder im mittleren Schwarzwald (etwa 40 000 ha).

Auf Grund der südlichen Zugbahn von 'Lothar', etwa längs der Mainlinie, hatten die Baumregionen der deutschen Mittelgebirge viel Glück; im Gegensatz besonders zu 'Wiebke', die am 27. Februar 1990 diese deutsche Berglandschaft stark verwüstete.

Betrachtet man die Böenstärke, so war 'Lothar' aber bedeutend stärker als die unvergessenen 'Vivian' und 'Wiebke' im Februar 1990.

Dafür spricht auch, daß 5 der ältesten und wichtigsten Wetterstationen Südwestdeutschlands (Feldberg, Karlsruhe, Stuttgart, Stötten, Konstanz) in Verbindung mit 'Lothar' neue Böen-Rekorde meldeten.

Ein Fazit dieser schweren Unwetterlage ist, daß man stets mit einem derartigen Ausnahme- Orkan rechnen muß und auch in der Zukunft keine Chance hat, dieser Naturgewalt zu begegnen - ähnlich wie die Amerikaner es längst aufgegeben haben, ihre Hurrikane und schweren Tornados zu bekämpfen...

Seite "Wetter Ostseeküste" : Artikel über Ostsee-Orkan ANATOL)

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Vergleich der europäischen "Hurrikane" KYRILL und LOTHAR

In Deutschland vergleicht man KYRILL schnell mit dem Hurrikan LOTHAR.

Das mag auf die katastrophalen Schäden zustreffen, die beide in den Wäldern Deutschlands angerichtet haben. Aber meteorologisch/synoptisch handelt es sich um zwei total unterschiedliche Orkantypen.

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Abb. 5 : Extremer Orkan / ' Hurrikan' Orkan LOTHAR - am 26. Dez. 1999 über Deutschland

 

Während der Kern von LOTHAR am 26. Dez. 1999 relativ langsam von Frankreich nach Mitteldeutschland zog (Abb. 5) und sich hier auflöste, zog der Kern von KYRILL sehr schnell nördlich von Dänemark/Deutschland nach Osten ohne sich besonders abzuschwächen. Dabei erfaßte er als sehr großräumiger Orkan das gesamte Mitteleuropa - von England/Frankreich bis Baltikum/Ostpolen.

Auf Grund ihrer unterschiedlichen Entstehung und Zugrichtung hatte sich das Orkanfeld bei LOTHAR (Abb. 5) auch auf der Rückseite mit meist Nordwestwinden und bei KYRILL (Abb.6) vorwiegend auf der Südseite mit meist Südwestwinden am stärksten ausgebildet.

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Abb.6 : Extremer Orkan / ' Hurrikan ' KYRILL - am 18 Jan.2007 über Deutschland

 

Auch infolge der unterschiedlichen Zugrichtungen dieser beiden schweren Orkane wurden auch ganz andere Waldregionen Deutschlands schwer beschädigt.

Bei LOTHAR war das vorrangig der Schwarzwald und bei KYRILL waren es vorwiegend die Wälder der deutschen Mittelgebirge, vor allem des Thüringer Waldes.

Die Riesenwaldschäden die LOTHAR im Schwarzwald angerichtet hat, wirkt sich heute noch auf die Holzpreise aus.

Durch KYRILL wird die deutsche Forstwirtschaft nicht nur in den kommenden Jahren sondern kommenden Jahrzehnten noch stärker darunter leiden.

Einer der Hauptgründe dafür dürfte sein, dass der Befall des Bruchholzes durch den Borkenkäfer ('Buchdrucker') enorm zunehmend wird, auch weil sich der Baumschädling infolge der starken Erwärmung durch den Treibhauseffekt extrem vermehren wird.

Entsprechend den gewaltigen Schäden die KYRILL mit seinem großen Orkanfeld nicht nur in Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern angerichtet hat, muß man ihn zu den schwersten Orkanen Europas der letzten 100 Jahre zählen.

 

 

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Schneekatastrophen-Winter 1978/1979

(Dr. Tiesel, Dez. 2008)

 

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no comment

Der Winter 1978/79 bleibt vielen Bewohnern Norddeutschlands unvergessen, weil genau zu Silvester/Neujahr - als viele den Jahreswechsel feiern wollten - die schwerste Winterkatastrophe seit wenigstens den Kriegswintern auftrat.

Es kam zu Silvester/Neujahr zu einer Eis-, Frost- und Schneekatastrophe mit extrem starken Schnee-Verwehungen und gleichzeitig auch zu einer Sturmflut und starken Vereisung an der Ostseeküste.

War es Weihnachten durch das typische 'Weihnachtstauwetter' noch schneefrei bei milden Temperaturen um +6 Grad, so stellten sich genau zum Jahreswechsel eisige Temperaturen unter - 15 Grad ein und bei anhaltendem Starkschneefall kam es zu einem Schneechaos.

Silvester 1978 betrug die Mitteltemperatur in Warnemünde -13.5 Grad C. und nach einer Glatteislage war die Schneedecke bis auf 26 cm angewachsen.

Der nächste Tag, das Neujahr 1979, war noch arktischer, weil bei einer Bodentemperatur von - 18.2 Grad, einer Schneehöhe von 35 cm Sturmböen bis Windstärke 10 Bft und örtlich sogar Orkanböen bis 12 Bft auftraten.

Diese verursachten zusätzlich eine Ostseesturmflut und eine rasche Vereisung der deutschen Ostseehäfen.

Bei einem derartigen polaren Unwetter ging quasi nichts mehr, vor allem weil bei der eisigen Kälte der trockene und hohe Schnee durch den stürmischen Wind um Nordost immer wieder neu verwehte und sich Schneewehen örtlich bis über 5 Meter Höhe bildeten.(Abb.1)

 

Abb. 1 : Extrem hohe Schneeverwehungen im Winter 1978/79

 

Dieser schwere Wintereinbruch zum Jahreswechsel durch den Durchzug einer polare Wetterfront leitete gleichzeitig den schneereichsten Winter in Norddeutschland seit dem Krieg ein.

So lag im Mittel an jedem Tag im Januar und Februar 1979 in Norddeutschland eine Schneedecke von über 20 cm Höhe.

Zum Maximum eines Winters in Norddeutschland, vom 15. bis 18. Februar, wurde gebietsweise eine mittlere Schneehöhe von sogar über 40 cm , örtlich bis 100 cm gemessen.(Abb.2)

 

Abb.2 : Mittlere Schneehöhen bis 100 cm am 16. Februar 1979 in Norddeutschland

 

Analyse des extremen Winters bezüglich Kälte und Schnee nach den Warnemünder-Rostocker Wetterdaten.

Sie zeigen deutlich, dass nicht die Winterkälte sondern die außergewöhnliche Schneesituation der Grund dafür waren, dass dieser Winter einer der härtesten des letzten Jahrhunderts in Norddeutschland wurde.

1. Winterkälte:

Der Winter 1978/79 hatte eine Kältesumme (addierte negative Tagesmitteltemperaturen) von 258 Grad Kelvin.

Damit steht er seit den Kriegswintern nur an 10. Stelle.

Bedeutend kälter waren insbesondere die Winter, wo die Ostsee total zugefroren ist. Das war 1946/47 (506 Grad K.), 1939/40 (504),1941/42 (425) und 1962/63 (398) der Fall. Noch kälter als 1978/79 waren auch die Winter 1969/70 (327), 1995/96 (293), 1940/41 (282), 1984/85 (279) und 1986/87 (259 Grad K.).

Da vor dem Krieg bis zum Winter 1890/91 zurück relativ wenig sehr kalte Winter in Rostock aufgetreten sind (1890/91),(1892/93) und (1928/29) , nimmt er allerdings dann in dieser rund 120-Jährigen Winterreihe von seiner Winterkälte her den 13. Platz ein.

2. Schneesituation:

Zweifelsohne stellt der Winter 1978/79 seit 1947

mit rund 60 Tagen mit einer immer geschlossenen Schneedecke (28.Dezember 1978 bis 4.März 1979)einen neuen Rekord auf. Nach einem Warmlufteinbruch verschwand die geschlossene Schneedecke vom 5. März bis zum 14.März, um sich nach einem starken Kaltluftrückfall vom 15. März bis 20. März noch einmal auszubilden.

Bis zum 24.März traten noch Schneeflecken auf, so dass der wahre Winter 1978/79 erst Ende März mit einem zweiten Warmlufteinbruch zu Ende ging.

Im Mittel lag an jedem Tag im Januar eine Schneedecke von 22 cm Höhe und im Februar von 25 cm Höhe.

Die maximale mittleren Schneehöhe wurde im Winter 1978/79 am 16.Februar 1979 mit 44 cm Höhe erreicht. Aber es gab seit 1947 noch zwei Winter mit einer noch höheren mittleren Schneehöhe auftrat. Das war im Winter 1984/85, wo am 13. und 14.Januar 1985 eine mittlere Schneehöhe von 48 cm gemessen wurde - und im berüchtigten Winter 1986/87, wo am 14. Januar 1987 mit 55 cm die höchste mittlere Schneehöhe seit dem Krieg von der Wetterstation in Warnemünde registriert wurde.

 

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Vb-Tief

verursacht Alpen-Hochwasser

(Dr. Tiesel, 26.Aug.2005)

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Ursache für die augenblicklichen katastrophalen Überschwemmungen, besonders im Alpenraum, war ein sogenanntes Fünf-b-Tief (Vb-Tief).

Von den fast 30 Großwetterlagen Europas, gehört die Vb-Tiefwetterlage zu den gefürchtesten, weil sie sehr oft - wie auch aktuell in der Alpen- und Balkanregion - starke und anhaltende Regenfälle und damit vor allem schwere Überschwemmungen verursacht(Abb.).

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Extreme Überschwemmungen im Alpenraum

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Diese Tiefs bilden sich, wenn aus den polaren und subpolaren Gebieten Kaltluftmassen nach Mitteleuropa vorstoßen.

Durch die Kaltluft wird die unser Wetter bestimmende Höhenwestwindströmung stark nach Süden durchgedrückt, man spricht auch von einem Höhentrog.

Bewegt sich die Kaltluftmasse innerhalb des Troges weiter nach Süden, so kommt es über Mittel- und Südeuropa zu einem Abtropfen , einem Abreißen (cutt-off-Effekt).

Als Folge bildet sich ein eigenständiges und sehr aktives Höhen- und Bodentief über dem westlichen Mittelmeer.

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Typische Vb-Tiefdruck-Wetterlage (500 hPa)

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Wandert nun diese Zyklone in etwa 5 km Höhe 6 auf der sogenannten Vb-Zugbahn in Richtung Italien-Nordbalkan (Abb.),

dann saugt sie auf ihrer Süd- und Ostseite enorme Feuchtlufttmassen des Mittelmeers an und entwickelt sich so zu einem mächtigen und gefährlichen Niederschlagstief.

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So einen Verlauf nahm auch das Vb-Tief , dass zur Zeit in Bayern, Österreich und der Schweiz - aber natürlich auch auf den Balkan - eine extreme Überschwemmungskatastrophe verursacht hat.

Durch ihre nur langsame Verlagerung hielten die Starkregenfällen bei diesem Tief um das Zentrum herum sehr lange an.

Auch die Niederschläge waren außergewöhnlich stark, weil die eingesogene Mittelmeerluft infolge ihrer Wärme noch mehr Feuchtigkeit aufnehmen konnte.

Am heftigsten gingen die Regenfälle auf der Westseite des Tiefs in den Staugebieten der Alpen nieder.

Hier bestand sehr lange eine auf die Berge zu gerichtetet Wind- und damit Stauströmunge, die zur Folge hatte, dass sich die Regenfällen durch den Anstau noch verstärkten und sich die wassergesättigten Luftmassen tagelang ausregneten.

Durch die immensen Niederschläge kam es besonders in diesen Räumen zu gefährlichen Sturzbächen, Murenabgängen und Überschwemmungen.

Typisch für dieses Tief , beschränkten sich die Regengebiete nicht nur auf kleine regionale Räume sondern erfaßten große geografische Regionen und damit ganze Länder.

Entsprechend führten alle Bäche und Nebenflüsse, solange es stark regnete, Hochwasser, das wiederum in den Flüssen und Strömen - wie der Donau - zu extremen Überschwemmungen führte.

Ein Grund für das aktuelle katastrophale Vb-Hochwasser, das im Alpenraum zum Teil stärker war als das verheerende Frühjahrshochwasser 1999, ist zweifelsohne der Treibhauseffekt.

Weil die globale Erwärmung unvermindert andauert, muß man davon ausgehen, dass solche extremen Niederschlagsereignisse in Zukunft nicht nur häufiger sondern auch mit noch größerer Intensität auftreten.

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Die schwere

Hochwasserkatastrophe

an der Elbe

(Dr. Tiesel, 19.Aug.2002)

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Wie ohnmächtig auch der Mensch wahren Naturgewalten gegenüber ist, erleben wir jetzt mit dem schweren Hochwasser an der Elbe.

Deutlich wird , daß wir Menschen - trotz Mondlandung - nach wie vor ein Spielball der Gewalt unserer Naturelemente Wasser (Flut), Feuer (Brände), Luft (Wirbelstürme...) und Erde (Beben und Vulkane) sind.

In Mecklenburg-V. sind es insbesondere schwere Jahrhundertsturmfluten (wie 1872) , starke Vereisungen der Ostsee (wie 1962/63) oder schwere Schneeverwehungen (Jan 1987), die bei uns ähnliche katastrophale Auswirkungen hatten , wie diese extreme Hochwasserkatastrophe in Mitteldeutschland.

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Hochwasserkatastrophe, Dresden, August 2002

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Auch wenn der Westteil unseres Land von der Hochwasserwelle noch erfaßt wird, so werden sie nie die Ausmaße Mitteldeutschlands erreichen.

Ein Grund ist, daß den Wassermassen durch Breitlaufen in den großen Elbniederungen ihre enorme Energie genommen wird, bevor sie unser Land erreichen. Ein anderer, daß es tagelang keinen Regen mehr in den betroffenen Regionen und ihren Flußeinzugsgebieten mehr gab und bei dem anhaltend sommerlich-warmen Hochdruckwetter auch ein Teil des Wassers verdunstet.

Wie kam es zu dieser Hochwasserkatastrophe ?

Es war nicht die sonst typische Vb-Unwetterregenlage, wo ein starkes Tief vom Mittelmeer über den Balkan nordwärts zieht und es tagelang stark regnet, sondern ein Großwetterlage vom Typ 'Tief Mitteleuropa' ( TM-Lage), die diese katastrophalen Niederschläge verursachte.

Durch ihre langsame Ostverlagerung über Mitteleuropa saugten mehrere um sich rotierende starke Tiefs bis in große Höhen enorme feuchtwarme Luft aus den Mittelmeer in die Region der mitteleuropäischen Berg- und Gebirgskette. Besonders auf der Nordseite dieser Bergketten, so auch im Nordstau des Erzgebirge, kam es zu extremen und oft kurzfristigen Starkregengüssen - zusätzlich durch den Zusammenprall unterschiedlicher Luftmassen.

Weil der Boden dieser Gebiete (Berge) durch vorangegangene Niederschläge schon allgemein gesättigt war, kam es zu Sturzfluten mit Murenabgängen und damit zu der Hochwasserflut.

Normalerweise treten schwere Hochwasser, als Frühjahrshochwasser, meist im März und April auf, wenn große winterliche Schnee- und Eismassen in den Bergen und Gebirgen durch anhaltende Warmluftwetterlagen mit 'warmen' Regen sehr rasch abschmelzen.

Aber die Tatsache, daß diese Jahrhundertflut nicht im Frühjahr oder im monsunträchtigen Juli, sondern im sonst recht friedlichen August aufgetreten ist, wird viele Wissenschaftler noch lange beschäftigen.

Auch diese Katastrophe spricht für die Erwärmung unserer Erde , spricht für den Treibhauseffekt.

Denn ähnliche Starkniederschläge, die auch diese Regen-Katastrophe verursacht haben, gibt es auf unserer Erde nur um subtropischen (bis tropischen) Regionen, wo die warme bis sehr warme Luft auch sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen kann und rasch wieder abgibt.

Damit weist auch diese Katastrophe darauf hin, daß unser gemäßigte Klimaregion immer mehr in die subtropische Klimazone gelangt.

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Treibhauseffekt

verursacht auch in Deutschland

immer extremeres Wetter

(Dr. Tiesel , 10. Nov. 2002)

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Der Treibhauseffekt bewirkt mit seiner globalen Erwärmung der Erdatmosphäre auch den Beginn der Verlagerung von Klimazonen. Davon ist auch Mitteleuropa und damit Deutschland betroffen.

Für diese europäischen Region zeichnet sich besonders im Sommer eine nördlichere Verlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels und vor allem im Winter eine weniger markante Südverlagerung des Höhenwestwindjets ab, der allgemein unser Wetter bestimmt.

Erderwärmung bis 2040

Für die Bewegung des Azorenhochs und seines südeuropäischen Keils immer weiter nach Mitteleuropa sprechen auch die in ganz Deutschland beobachteten markanten Temperaturzunahmen, der stetige Anstieg des Luftdrucks, häufigere subtropische Niederschläge und eine höhere Zahl von Orkanen und Sturmfluten.

Eine besonders starke Zunahme der Lufttemperatur in Deutschland zeichnet sich in den letzten 15 Jahren - nach den drei starken Wintern 1984/5 bis 1986/7 - ab. Sowohl im südlichen Bergland als auch an der flachen Nord- und Ostseeküste kann man diese anormale Erwärmung deutlich beobachten. So stieg zum Beispiel auf dem bayrischen Hohenpeißenberg, in etwa 1000 m Höhe, die Mitteltemperatur seit dem Krieg um fast 0.2 Grad an. Und die Jahresmitteltemperatur in Hamburg erhöhte sich seit 1900 um 0.4 Grad und in Rostock in den nur letzten 15 Jahren um 0.3 Grad. Noch deutlicher schlägt sich die Treibhauserwärmung bei den Sommern nieder. So traten allein in den letzten 10 Jahren in Norddeutschland die 5 heißesten Sommer der letzten wenigstens 110 Jahre auf. Sehr heiße Sommer hatten wir (nach der Berliner Temperaturreihe seit 1700) auch vor etwa 200 Jahren, allerdings nicht in der Häufigkeit und Kompaktheit wie heute.

Welche Folgen hat nun diese Erwärmung auf Wetter, Witterung und Klima in Deutschland ?

Insgesamt kann man sagen, daß sich aufgrund des enormen Wärmepotentials, der bei uns immer häufiger einfließenden feuchten und vertikal mächtigen südeuropäischen Warmluft, die atmosphärischen Prozesse in Deutschland verschärft haben. In dieser energiereichen südeuropäischen Luftmasse bilden sich neuerdings in unseren mitteleuropäischen Regionen wiederholt subtropische Gewitter mit kräftigen Sturmböen und wolkenbruchartigen Regenfällen aus. Das katastrophale Elbehochwasser in diesem Jahr, das auch fast Hamburg erfaßt hätte, ist ein Beleg dafür.

Aber auch fast die Hälfte aller Niederschlagskatastrophen in Norddeutschland seit dem Krieg mit über 40 Liter/Quadratmeter an einem Tag ereigneten sich im letzten Jahrzehnt.

Positiv wirkt sich der Treibhauseffekt auf Eiswinter und Seenebeleinbrüche aus. So bildete sich in den letzten 15 Jahren nur ein schwerer Winter (1995/96) und die Winterintensität hat seit den berüchtigten Kriegswintern nachgelassen. Die umfassende Erwärmung auch von Nord- und Ostsee hat zur Folge, daß die Anzahl der gefährlichen Seenebeleinbrüche insbesondere im Winter und Frühjahr nachgelassen hat.

Das Ausbleiben der recht windarmen und nebelträchtigen Eiswinter und gleichzeitig die Verstärkung der Westwinde in den Wintermonaten bewirken bei uns eine Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit. Und das, obwohl der relativ windschwache Azorenhochkeil im Sommer immer mehr Einfluß nimmt.

Durch den jetzt häufigeren Zusammenprall thermisch immer unterschiedlicherer Luftmassen entstehen stärkere Wetterprozesse und damit ändert sich auch das Profil der Windböen. Während seit 30 Jahren die Tage mit Starkwind und Sturm nachgelassen haben, hat sich im Zeitraum der starken Erwärmung der letzte 15 Jahre die Zahl der Tage mit orkanartigen Böen und Orkan erhöht. Das markanteste Beispiel dafür ist der Orkan 'Lothar', der auf dem Feldberg Böen bis Windstärke 17 Beaufort und allein im Schwarzwald Millionenschäden verursachte. Aber auch im Ostseeraum kann man seit dem Krieg eine Zunahme der Anzahl und Stärke der Orkane beobachten. So ereigneten sich von den 15 schweren Ostseeorkanen mit Böen ab 125 km/h fast die Hälfte in den letzten 12 Jahren.

Gekoppelt an die Häufung der schweren Stürme und Orkane haben auch die Sturmfluten zugenommen. Nicht nur ihre Anzahl ist gestiegen, sondern - wie bei den Orkanen - auch ihre Intensität. So ereigneten sich von den 10 stärksten Ostsee-Sturmfluten der letzten 70 Jahre (130-170 cm über Normalnull) allein 4 seit 1987 - also auch im Zeitraum der stärksten Erwärmung.

Abschließend kann man feststellen, daß die schweren Unwetterprozesse, die besonders in den letzten rund 15 Jahren mit einer großen Häufigkeit unser Bundesland heimgesucht haben, überwiegend auf den Treibhauseffekt zurückzuführen sind. Und weil die globale Erderwärmung weiter zunimmt, müssen wir in Zukunft auch in Mitteleuropa und damit in Deutschland noch häufiger mit schweren Wetterkatastrophen rechnen.

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